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Erklärung zum Abschluß der Verhandlungen über einen Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten am 7. November 1972

 

Wir stehen am Vorabend eines bedeutsamen Ereignisses, dem Beginn der Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten. Der Grundvertrag liegt zur Paraphierung vor.
Mit diesem Vertrag brechen wir das Eis auf, in dem das Verhältnis zwischen uns und der DDR für viele Jahre eingefroren war. Auf der Basis der Gleichberechtigung werden wir umfassend die Zusammenarbeit beginnen. Das wird auch entsprechend dem Vier-Mächte-Abkommen auf West-Berlin ausgedehnt werden. Vieles wird möglich werden, was bis gestern unvorstellbar war. Natürlich wird dies alles in voller Wahrung unserer Position, unseres Gesellschaftssystems, unserer Bündnisverpflichtungen geschehen. Hier gibt es keine Vermischungen, und die sich daraus ergebenden grundsätzlichen Meinungsunterschiede werden auch weiterhin bleiben.
Aber auch sie werden unter das Gebot fallen, daß sie nicht mit Gewalt oder der Androhung von Gewalt durchgesetzt werden dürfen.

Beide Staaten werden, wenn der neue Bundestag dies beschließt, ihre Mitgliedschaft bei den Vereinten Nationen beantragen.

Die Vier Mächte haben sich auf eine Erklärung verständigt, wonach auch dann ihre Rechte und Verantwortlichkeiten unberührt bleiben. Sie sind der Ausdruck der Tatsache, daß es keinen Friedensvertrag gibt und daß die Bundesregierung – aber auch alle Parteien des Bundestages – festhält an dem Ziel, die Selbstbestimmung für das ganze deutsche Volk zu verwirklichen.

Wenn der Vertrag in Kraft tritt, wird es für viele Menschen, zumal im grenznahen Bereich, ein großes Erlebnis geben. Sie werden entweder Verwandte und Freunde wiedersehen oder andere werden zum erstenmal bisher unbekannten Menschen und Landschaften begegnen. Ich kann heute nicht mehr sagen, denn die Texte aller Vereinbarungen und Absprachen werden mit der Paraphierung veröffentlicht. Ich möchte meiner Erwartung und sicheren Hoffnung Ausdruck geben, daß das neue Verhältnis beider Staaten sich zum Segen für die Menschen in ihnen auswirken wird. Wir haben das Nebeneinander organisiert und werden das Miteinander zu lernen haben.

 

 

 



 
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