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Berühmte Reden

Berühmte Reden Willy Brandts

Regierungserklärung Willy Brandts vom 28. Oktober 1969
Bei den Bundestagswahlen im Jahre 1969 liegt das Ergebnis der SPD erstmalig über der 40-Prozent-Marke. Noch in der Wahlnacht verhandeln der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, Willy Brandt, und Walter Scheel, der FDP-Vorsitzenden, über die Bildung einer Koalition. Beide Politiker stellen fest, dass 'SPD und FDP zusammen über mehr Mandate verfügen als die CDU/CSU'. Der Weg zur Bildung der sozial-liberalen Koalition ist offen. Am 21. Oktober 1969 wird Willy Brandt zum Bundeskanzler gewählt. Die 'Ära Brandt' schlägt ein neues Kapitel in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf. Eine enorme Reform- und Aufbruchstimmung ergreift das ganze Land. Sie manifestiert sich auch in der ersten Regierungserklärung, die Willy Brandt am 28. Oktober 1969 vor dem Deutschen Bundestag abgibt. Brandts darin enthaltene Leitsätze wie „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“ und „Mehr Demokratie wagen“ werden berühmt.

Fernsehansprache aus Moskau, 12. August 1970
Kernstück und Wendepunkt in der neuen Ostpolitik der Regierung Brandt-Scheel ist der Abschluss des Moskauer Vertrages im August 1970. Er öffnet den Weg zur Unterzeichnung der weiteren Ostverträge mit Warschau, Ost-Berlin und Prag. Im Moskauer Vertrag wird der Wille der Bundesrepublik Deutschland zum Ausdruck gebracht, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa geschaffenen Lage zu akzeptieren. Die Bundesrepublik verzichtet auf ihren Anspruch, für alle Deutschen – also auch für die Landsleute in der DDR – zu sprechen (Alleinvertretungsanspruch). Der Vertrag verpflichtet beide Parteien auf Gewaltverzicht und bestätigt die Unverletzlichkeit der bestehenden Grenzen in Europa – d. h. auch der Oder-Neiße-Grenzen zwischen der DDR und Polen. Am Abend nach der Unterzeichnung wendet sich Brandt in einer Fernsehansprache an seine Mitbürger: 'Der Vertrag ist ein entscheidender Schritt, um unsere Beziehungen zur Sowjetunion und zu unseren östlichen Nachbarn zu verbessern – ein Vierteljahrhundert nach der Katastrophe, die von den Völkern, im Osten noch mehr als im Westen, unsägliche Opfer gefordert hat. [...] Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, mit diesem Vertrag geht nichts verloren, was nicht längst verspielt worden war. [...] Der Vertrag gefährdet nichts und niemanden. Er soll mithelfen, den Weg nach vorn zu öffnen. Wenn er dies tut, dann wird er dem Frieden, Europa und uns allen nützen.'

Rede aus Anlass der Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis, 11. Dezember 1971
Im Oktober 1971 fällt das Nobel-Komitee in Oslo die Entscheidung, dass Willy Brandt für das Jahr 1971 der Friedensnobelpreis verliehen werden soll. In der Begründung des Komitees heißt es: 'Bundeskanzler Willy Brandt hat als Chef der westdeutschen Regierung und im Namen des deutschen Volkes die Hand zu einer Versöhnungspolitik zwischen alten Feindländern ausgestreckt. Er hat im Geiste des guten Willens einen hervorragenden Einsatz geleistet, um Voraussetzungen für den Frieden in Europa zu schaffen.' Brandt ist nach Gustav Stresemann (1926), Ludwig Quidde (1927) und Carl von Ossietzky (1935) der vierte Deutsche, dem diese bedeutende Auszeichnung zuteil wird. Die Verleihung des Friedensnobelpreises findet am 10. Dezember 1971 in Oslo statt. 'Die Ehre der Preisverleihung', führt Brandt in seiner Dankesrede aus, 'kann gewiss nur als eine Ermutigung meines politischen Strebens verstanden werden, nicht als ein abschließendes Urteil (...), und ich darf hinzufügen, wie viel es mir bedeutet, dass auf meine Arbeit ‚im Namen des deutschen Volkes' abgehoben wurde. Dass es mir also vergönnt war, nach den unauslöschlichen Schrecken der Vergangenheit den Namen meines Landes und den Willen zum Frieden in Übereinstimmung gebracht zu sehen.' Am 11. Dezember hält Willy Brandt an der Osloer Universität eine vielbeachtete Rede zum Thema 'Friedenspolitik in unserer Zeit'.

Erklärung zum Abschluss der Verhandlungen über einen Grundlagenvertrag mit der DDR, 7. November 1972
Bundeskanzler Willy Brandt ist der große Hoffnungsträger für die deutsch-deutsche Annäherung. Unvergessen bleibt sein Besuch in Erfurt am 19. März 1970, als ihm – trotz Absperrungen durch die Sicherheitskräfte – Hunderte von DDR-Bürgern vor dem Hotel Erfurter Hof zujubeln. Die Verhandlungen der sozial-liberalen Regierung mit der DDR-Führung kommen 1970 zunächst jedoch nur langsam in Gang. Ein Durchbruch wird erst erzielt, als die Vier-Mächte-Verhandlungen über Berlin Fortschritte machen und im August 1970 der Moskauer Vertrag unterzeichnet wird. Im Dezember 1971 wird zwischen Bonn und Ost-Berlin das Transitabkommen über Berlin geschlossen, anschließend das Besuchsabkommen zum Vier-Mächte-Abkommen. 1972 folgt der Verkehrsvertrag. Am 7. November 1972 wird schließlich der Grundlagenvertrag mit der DDR paraphiert, der im Dezember unterzeichnet wird. Er stellt das Verhältnis der beiden deutschen Staaten auf die Grundlage 'gutnachbarlicher Beziehungen'.


Erklärung des Bundeskanzlers und Vorsitzenden der SPD, Brandt, zum Ausgang der Bundestagswahl 19. November 1972
Zwischen Regierung und Opposition herrscht im Sommer 1972 im Deutschen Bundestag ein Patt, das nur durch Neuwahlen überwunden werden kann. Am 20. September stellt Willy Brandt nach Art. 68 GG die Vertrauensfrage im Parlament. Als der Bundeskanzler nicht die notwendigen Stimmen für die Kanzlermehrheit erhält, schlägt er dem Bundespräsidenten vor, den Bundestag aufzulösen und eine Neuwahl des Bundestages für den 19. November anzuberaumen. Das ist das Startsignal für einen emotional geprägten Wahlkampf. Die SPD stellt den Bundeskanzler völlig in den Mittelpunkt ihrer Kampagne: 'Willy wählen' und 'Auf den Kanzler kommt es an' lauten die gängigen Slogans. Willy Brandt erreicht für die SPD das beste Wahlergebnis ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte: 45,8 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen. Das Wahlergebnis ist eine Bestätigung für die Ost- und Deutschlandpolitik der Regierung Brandt-Scheel.

Die Abschiedsrede Willy Brandts als Parteivorsitzender – gehalten am 14. Juni 1987 vor dem außerordentlichen Parteitag der SPD in der Bonner Beethovenhalle
Im Frühjahr 1987 ist der Posten des SPD-Parteisprechers neu zu besetzen. Willy Brandts Vorschlag für eine Kandidatin stößt in der Partei auf starke Kritik. Für Brandt ist dies Anlass, auf dem außerordentlichen Parteitag der SPD im Juni 1987 als Parteivorsitzender zurückzutreten. Brandt will durch diesen Schritt zugleich die – nach seiner Auffassung – 'unzumutbar gewordene Diskussion' um die Person seines Nachfolgers in der Partei verkürzen.
In einer eindrucksvollen Abschiedsrede fasst Willy Brandt die Motive seines politischen Denkens und Handelns zusammen, zieht eine Bilanz seines politischen Wirkens und zeigt der Partei Perspektiven auf, wie sie den Weg zurück in die Regierungsverantwortung in Bonn finden kann. Willy Brandt verspricht seinen Parteifreunden, 'nicht von Bord zu gehen', sondern seine Erfahrungen der deutschen und europäischen Sozialdemokratie weiterhin zur Verfügung zu stellen. 

Rede Willy Brandts am Abend nach dem Fall der Berliner Mauer vor dem Rathaus Schöneberg (10. November 1989)
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 fällt die Berliner Mauer. Dieses historische Ereignis ist für Willy Brandt die Erfüllung seiner Ost- und Deutschlandpolitik. Der Kreis seines Lebens schließt sich. Vor dem Rathaus Schöneberg, seinem ehemaligen Amtssitz als Regierender Bürgermeister von Berlin in den Jahren von 1957 bis 1966, spricht er am Abend nach dem Mauerfall tief bewegt zu Tausenden von Menschen aus Ost und West. Willy Brandt: 'Und jetzt erleben wir, und das ist etwas Großes – und ich bin dem Herrgott dankbar dafür, dass ich dies miterleben darf – wir erleben, dass die Teile Europas wieder zusammenwachsen.

Wer als aufmerksamer Leser das berühmte Brandt-Zitat "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört" in dieser Rede vergeblich gesucht hat, der sei auf den Beitrag unseres wissenschaftlichen Mitarbeiters Dr. Bernd Rother verwiesen. Hier als PDF...

Abschiedsrede Willy Brandts auf dem Kongress der Sozialistischen Internationale in Berlin am 15. September 1992
Im Jahr 1976 wird Willy Brandt zum Präsidenten der Sozialistischen Internationale gewählt. Unter seiner Führung erfährt die SI tiefgreifende organisatorische und strukturelle Veränderungen. Die Arbeitsfähigkeit und Effektivität der Organisation werden dadurch erheblich verbessert. Willy Brandt befreit die SI von ihrem 'Eurozentrismus' und öffnet sie für die freundschaftlich verbundene Parteien in den Ländern der Dritten Welt. Zugleich setzt die Organisation unter Brandts Präsidentschaft neue Arbeitsschwerpunkte. Eine große Bedeutung kommt dabei der Abrüstungsfrage zu. Darüber hinaus wird der Dialog zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern gefördert.
Mitte September 1992 findet ein SI-Kongress in Berlin statt. Willy Brandt, bereits totkrank, ist nicht mehr in der Lage, in die Bundeshauptstadt reisen. Seine 'Abschiedsrede' – ein äußerst bewegendes Dokument – wird durch seinen langjährigen politischen Weggefährten Hans-Jochen Vogel verlesen.

 

 



 
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