Abgeordnetenhauswahlen 1963
Anfang des Jahres 1963 wird angesichts der Popularität Willy Brandts und der starken Stellung der Sozialdemokraten in Berlin ein eher blasser Wahlkampf erwartet. Das ändert sich nach der durch die Berliner CDU erzwungene Absage des Treffens zwischen dem sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow und Brandt. Der politische Gegner stellt Brandt nun als zaudernden, unentschlossenen Politiker dar. Bürgermeister Franz Amrehn (CDU) weist darauf hin, dass er seit langem Einwände gegen die Berlin-Politik des Senats habe. In ganzseitigen Anzeigen werden dem Regierenden Bürgermeister gefährliche Alleingänge in der Berlin- und Deutschlandpolitik vorgeworfen.
Die Sozialdemokraten zeigen sich unbeeindruckt. Sie bezeichnen Amrehns Strategie als „Politik des toten Käfers“, die von Nichtstun und Einfallslosigkeit geprägt sei.
Die Berliner Bürger bestätigen Willy Brandt in beeindruckender Weise: Die absolute Mehrheit der SPD wird bei einer Wahlbeteiligung von 89,9% auf 61,9% ausgebaut; alle 80 Direktmandate gehen an die SPD; die CDU erreicht nur noch 28,8%.
Die SPD wird mit der wieder im Abgeordnetenhaus vertretenen FDP eine Koalition bilden und so die politische Landschaft Berlins verändern. In der Bundespolitik werden sich die Liberalen nun zum potentiellen politischen Partner entwickeln.
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© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung Willy Brandt im Wahlkampf, 1963 |