Annäherungen an die SPD
Anfang Mai 1946 reist Willy Brandt als Gastdelegierter der SPD-Landesgruppe Schweden und im Auftrag mehrerer linker skandinavischer Zeitungen zum ersten Nachkriegsparteitag der SPD nach Hannover.
Nach der Veranstaltung hat er Gelegenheit zu einem längeren Gespräch mit dem Vorsitzenden der SPD, Kurt Schumacher. „Das ist ein bemerkenswerter Bursche“, sagt der SPD-Chef zu seiner damaligen Sekretärin, Annemarie Renger. Er rät Brandt zur baldigen Heimkehr und stellt ihm eine Mitwirkung beim Aufbau der Parteipresse im Ruhrgebiet in Aussicht. Doch Brandt zögert. „Der ist für uns verloren!“ meint Schumacher nach dem Gespräch. „Es sah nicht danach aus, dass er heimkehren würde“, erinnert sich Renger.
Brandt hat das Gefühl, dass in der Parteispitze Aversionen gegen ihn bestehen. Er vermutet Vorbehalte wegen seiner linkssozialistischen Vergangenheit. „Ich wollte etwas tun. Aber ich war auch vorsichtig und kritisch“, sagt Brandt später in einem Interview.