Willy-Brandt-Biografie
Januar 1934

Brandt in Oslo

Seit April 1933 setzt Willy Brandt seinen Kampf gegen die Nationalsozialisten in Oslo fort. Er schafft es in kürzester Zeit, die Landessprache zu erlernen. Dies ist für ihn als Journalisten von existentieller Bedeutung:
Er muö sich mit journalistischer Arbeit in Norwegen sein Brot verdienen.

Willy Brandt in Norwegen
© Bundesbildstelle


Um den Auftrag der im Untergrund kämpfenden SAP zu erfüllen, einen Stützpunkt aufzubauen, knüpft Brandt Kontakte zur Führung der Norwegischen Arbeiterpartei
(DNA), engagiert sich im Norwegischen Arbeiterjugendverband (AUF) und organisiert einen geheimen Kurierdienst zur Parteileitung nach Berlin. Er sammelt in Norwegen Gelder zur Unterstützung des Widerstandes in Deutschland und verfaßt zahlreiche Zeitungsartikel und Bücher, in denen er die norwegische Öffentlichkeit über den wahren Charakter des nationalsozialistischen Regimes in seiner Heimat aufklärt.

Brandts politische Tätigkeit im norwegischen Exil wird zunächst durch die ideologische Nähe der SAP zur DNA begünstigt. Beide Parteien arbeiten außerhalb der Komintern und der Sozialistischen Arbeiterinternationale in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft linkssozialistischer Parteien zusammen. In Ablehnung der verschiedenen Diktaturen im Europa der dreißiger Jahre (Deutschland, Italien, Franco-Spanien, Sowjetunion) vollzieht die DNA jedoch Mitte der 30er Jahre eine politische Kehrtwende: Sie spricht sich fortan für ein parlamentarisch-demokratisches Gesellschaftssystem aus.
Straßenszene im Oslo der 30er Jahre (Ölgemälde, Künstler unbekannt)
©Willy-Brandt-Archiv

Im Jahre 1939 streicht die Partei die marxistische Ideologie ganz aus ihrem Programm. Die Neuorientierung der DNA beeinflußt auch das politische Denken und Handeln Willy Brandts. Seine Hoffnung schwindet, daß die Splitterpartei SAP zu einem Kristallisationszentrum der deutschen Arbeiterbewegung wird.
Willy Brandts Weg zurück in die Sozialdemokratie erhält hierdurch einen ersten Anstoß.

Im Laufe der Exilzeit verstärken sich die Bindungen Brandts an Norwegen. Er enagagiert sich in der Seemanns-Matrosengewerkschaft und schließt sich dem traditionsreichen Osloer Arbeiterverein an. Er wird hierdurch vollberechtigtes Mitglied der DNA.

Zu dieser Zeit gibt es noch kein gesetzlich verbrieftes Recht auf Asyl. Brandt ist daher auf die Duldung der norwegischen Fremdenpolizei angewiesen. Um seinen Aufenthalt im Lande zu legalisieren, immatrikuliert er sich an der Königlichen Frederiks-Universität Oslo und legt eine Vorprüfung in Philosophie ab.
Als politischer Journalist in Norwegen verfaßt Brandt eine Vielzahl von Artikeln. Er schreibt dabei auch für die schwedische, schweizerische und niederländische Presse. Der Titel eines seiner bekanntesten Bücher aus diesen Jahren lautet: "Warum hat Hitler in Deutschland gesiegt?"



Glossar

Suche

Kontakt | Impressum | Sitemap | Startseite

© 2005 Bundeskanzler- Willy- Brandt- Stiftung