Willy-Brandt-Biografie
November 1957

Engagement für die Hauptstadt Berlin

 
© BWBS
Cover des 1957 erschienen Buches "Von Bonn nach Berlin" von Willy Brandt


Auch acht Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik und der Wahl Bonns zur Hauptstadt sowie zum Regierungssitz des neuen deutschen Staates ist Berlin für viele Deutsche weiter das Zentrum Gesamtdeutschlands. Es mangelt daher nicht an Engagement für einen Umzug der Regierung vom Rhein an die Spree. Viele erhoffen sich von einem solchen Schritt eine Initialzündung für eine schnelle Wiedervereinigung.

Im Herbst 1956 startet der CDU-Abgeordnete und ZEIT-Verleger Gerd Bucerius eine Initiative zur Verlegung der Bundeshauptstadt. Im November 1957 erscheint Willy Brandts Dokumentation „Von Bonn nach Berlin“, in der er die Diskussion um die Hauptstadtfrage seit 1949 resümiert. „Das Buch ist ein Ergebnis der Arbeit, die der jetzige Regierende Bürgermeister im Bundestag jahrelang mit seinen politischen Freunden für Berlin geleistet hat“, schreibt die Berliner Tageszeitung Telegraf in einer Rezension. „In der ständigen Mahnung sieht er die Erfüllung einer nationalen Pflicht.“

Aber nicht nur Bundeskanzler Konrad Adenauer, auch die westlichen Alliierten stehen diesem Vorhaben ablehnend gegenüber. Das von Brandt entwickelte Programm für Umzug und Arbeit der Regierung in Berlin entfaltet kaum nachhaltige Wirkung. Ganz ohne Ergebnis bleibt das Engagement Brandts und anderer Berlin-Unterstützer dennoch nicht: Ab 1958 wird der Reichstag wieder aufgebaut, damit der Bundestag dort Präsenz zeigen kann; das Schloss Bellevue wird bis 1959 wieder aufgebaut und zum zweiten – Berliner – Amtssitz des Bundespräsidenten bestimmt werden.



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