Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Mai 1952

Kampfkandidatur um den Berliner Parteivorsitz

Im Mai 1952 findet der 9. Landesparteitag der Berliner SPD statt. Willy Brandt wird zwar von zahlreichen Mitgliedern aufgefordert, sich um das Amt des Parteivorsitzenden zu bewerben. Obwohl auch sein Mentor, der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter, ihn drängt, zögert Brandt, gegen den amtierenden Vorsitzenden, Franz Neumann, anzutreten.

Schon seit Anfang 1950 ist das Verhältnis zwischen den beiden Sozialdemokraten gespannt. Damals ging es auf dem Hamburger Parteitag um den Beitritt der Bundesrepublik zum Europa-Rat. Neue Streitpunkte sind hinzugekommen: in der Frage der Mitarbeit in der Koalitionsregierung ebenso wie bei der Übernahme von Bundesgesetzen für Berlin. Beide Punkte werden von Brandt befürwortet. Persönliche Antipathie macht den Umgang nicht leichter. Willy Brandt sieht sich jedoch eher als Vermittler im Streit der beiden Parteiflügel. Erst als Neumann und seine Anhänger eine Diffamierungskampagne gegen Brandt starten, „die unter sozialdemokratischen Genossen ihresgleichen sucht“ (Peter Merseburger), entschließt dieser sich zur Kandidatur.

Von 286 Delegierten entscheiden sich 193 für Neumann, Willy Brandt erhält 93 Stimmen. „Ich wusste, dass ich die Wahl nicht gewinnen konnte, aber ich hatte wohl doch auf mehr als ein Drittel der Stimmen gerechnet.“




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