Michail Gorbatschow
Die UdSSR befindet sich in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise, die sich zu Beginn der achtziger Jahre noch verschärft. Die Bevölkerung empfindet die schlechte Versorgungslage im Land als unzumutbar. Immer mehr Bürger glauben, dass die Ursachen im kommunistischen System liegen und die ausufernde Bürokratie in Staat und Partei an den Missständen schuld ist. Seit 1979 ist die Sowjetunion zudem in einen blutigen Krieg in Afghanistan verwickelt. Die Bevölkerung ist nicht länger bereit, die hohen Verluste unter den eigenen Soldaten und die Engpässe in der Versorgung hinzunehmen, die durch den Krieg noch verstärkt werden. Die Führung in Moskau hingegen erweist sich als unfähig zu jeglicher Kurskorrektur und versucht nach wie vor, jede Kritik am sowjetischen System und an der Parteiführung zu unterdrücken. Der Unmut in der Bevölkerung wird dadurch noch gesteigert.
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Im März 1985 wird Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU. Mit seinem Amtsantritt verbinden viele Bürger in der Sowjetunion große Hoffnungen. Gorbatschow will umfassende politische und gesellschaftliche Reformen durchführen. Zwei russische Vokabeln gehen in den internationalen Sprachgebrauch ein: Glasnost und Perestrojka. Gorbatschow will in einem bestimmten Rahmen eine "offene" Gesellschaft schaffen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit soll gewährt werden. Die Bürger sollen mehr Mitbestimmungsrechte erhalten und die Entscheidungsprozesse in Wirtschaft und Politik besser durchschauen können. Gorbatschow will das kommunistische System nicht abschaffen, sondern es erneuern, um die Sowjetunion vor dem Zusammenbruch zu bewahren.
Die sowjetische Außenpolitik bleibt von diesen Umwälzungen nicht unberührt. Gorbatschow will die Entspannung zwischen Ost und West wiederbeleben und den Westen für die Unterstützung seiner Reformen gewinnen. Das Wettrüsten mit den USA soll ein Ende finden, nicht zuletzt um den Bürgern in der UdSSR langfristig größeren Wohlstand zu sichern. Der amerikanische Präsident Ronald Reagan, von dem die Abrüstungsinitiativen ausgegangen sind, greift die Gedanken des Generalsekretärs bereitwillig auf. Am 8. Dezember 1987 unterzeichnen die beiden Politiker in Washington den INF-Vertrag, der den Abbau aller Mittelstreckenraketen in Europa vorsieht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit soll eine ganze Waffengattung abgeschafft werden. Zugleich nehmen die USA und die UdSSR Verhandlungen über einen 50-prozentigen Abbau ihrer strategischen Atomwaffen (START) auf. Gorbatschow erfüllt wenig später die jahrelange Forderung des Westens, die sowjetischen Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen. Die militärische Unterstützung der UdSSR für kommunistische Rebellenbewegungen in den Ländern Afrikas und Lateinamerikas wird drastisch reduziert oder ganz eingestellt. Gorbatschow entläßt auch die Staaten des Ostblocks aus dem "Würgegriff" der Sowjetunion. Sie sollen über ihren Weg künftig selbst bestimmen können. Dadurch werden auch die mit der Sowjetunion verbündeten Länder zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformen ermutigt.