SPD-Parteitag in Hannover
Nach seinem energischen Einschreiten gegen linkssozialistische Tendenzen innerhalb der SPD im Monat zuvor, ist Willy Brandt auf dem Parteitag im April 1973 entschlossen, der Fraktionsbildung entgegenzutreten und die verschiedenen Strömungen in die Partei zu integrieren. Der Vorsitzende kritisiert und lobt beide Flügel und beweist in Hannover seine Fähigkeit, „die Partei durch Problembewusstsein und Überzeugungskraft zu einen“ (Susanne Miller). Brandt betont, dass er keinen Nachholbedarf habe, „wenn es um einen proletarischen Adelsnachweis geht“.
In einer seiner besten Parteitagsreden macht er inhaltlich keine Konzessionen, weder in Bezug auf das Godesberger Programm noch in Bezug auf seine Außenpolitik. Waren auf dem Kongress der Jusos im März noch radikale Vorstellungen zur Weiterführung der Außenpolitik formuliert worden, so werden jetzt selbst vorsichtig distanzierte Anmerkungen zur Bündnispolitik abgelehnt.
Willy Brandt wird mit 404 von 428 Stimmen nachdrücklich in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt. Im Parteivorstand allerdings macht sich das Erstarken der Linken bemerkbar: Wurden vor dem Parteitag neun Vorstandsmitglieder der Linken und achtzehn Mitte-Rechts zugeordnet, so ist das Verhältnis nach den Neuwahlen in Hannover genau umgekehrt.