Verbrecher und andere Deutsche
Im April 1946 beendet Willy Brandt sein Buch Forbrytere og andre tyskere (Verbrecher und andere Deutsche). „Der Titel war markant und verkaufsträchtig, aber missverständlich“ (Martin Wein). In seinem Bericht aus Deutschland will Willy Brandt dem Vorurteil entgegentreten, alle Deutschen seien Nazis gewesen. Er wendet sich gegen stereotype Vorstellungen von „den Deutschen“ und setzt sich für das „andere Deutschland“ ein, „dessen Existenz er während seiner gesamten Exiljahre unterstrichen hatte“ (Einhart Lorenz).
Seine politischen Gegner aber missverstehen ihn absichtlich: In den Kampagnen der 60er und 70er Jahre verdrehen sie den Titel zu „Deutsche und andere Verbrecher“. Konservative und linksextreme Politiker werfen Brandt vor, er habe Kriminelle und Deutsche gleichgestellt. Das Buch selbst hat keiner von ihnen gelesen, erst 2007 erscheint es vollständig in deutscher Übersetzung. In seinen Erinnerungen schreibt Brandt 1989: „Der Titel hat schreckliche Verwirrung gestiftet. Es war der Titel eines Buches, das die Mehrheit der Deutschen gegen die Minderheit der Verbrecher in Schutz nahm.“