Verhaftet
Am 28. März 1941 begibt sich Willy Brandt zur Ausländerpolizei in Stockholm, um seine Aufenthaltserlaubnis verlängern zu lassen. Doch statt die Behörde nach kurzer Zeit mit dem gültigen Dokument zu verlassen, wird er mehrere Stunden verhört und dann wegen Spionageverdachts verhaftet. Brandts Abwesenheit über Weihnachten und Silvester war nicht unbemerkt geblieben. Die Ausländerpolizei vermutete ihn in Norwegen und hatte ihn seit seiner Rückkehr beschattet. Auch seine Briefe waren bereits seit mehreren Wochen geöffnet worden. Sie enthielten meist Reportagen, die in Kriegszeiten sensible Themen wie die schwedische Wehrbereitschaft oder die Stimmung im Offizierskorps behandelten. „Die Beamten wollten ganz genau wissen, wo in Norwegen ich mich aufgehalten und wen ich getroffen hätte. Aber ich konnte und wollte doch niemanden angeben, der in Gefahr geraten könnte.“ Brandt bleibt ebenso wie sein Begleiter Scheflo wortkarg.
Während Brandt in Haft sitzt, durchsucht die Polizei seine Wohnung und beschlagnahmt fünf Aktenordner mit Korrespondenz. Ein Vernehmungsbeamter droht ihm mit der Abschiebung ins Deutsche Reich. Soweit kommt es nicht: Ein norwegischer Diplomat interveniert beim schwedischen Sicherheitsdienst und Brandts Freund Martin Tranmael setzt sich beim schwedischen Sozialminister, Gustaf Möller, für ihn ein. Nach sechs Tagen kann Brandt das Gefängnis wieder verlassen.