Willy-Brandt-Biografie
Januar 1962

Verhandlungen mit Ost-Berlin

Anfang 1962 steht Willy Brandt vor einem Dilemma. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ stellt er am 10. Januar fest: „Ich habe den Zusammenhang zwischen der Berliner Frage und den weiteren Fragen – Deutschland, europäische Sicherheit – oft genug betont. Aber ich muß zur Kenntnis nehmen, daß es kaum irgend jemand heute in der Welt gibt, der geneigt ist, auf der Grundlage einer solchen Zusammenfügung der Dinge zu verhandeln.“ Verhandlungen aber, die sich ausschließlich mit Berlin beschäftigen, könnten nur mit Abstrichen an den Positionen der westlichen Verbündeten enden. In Berlin ist der Ostblock in der strategisch stärkeren Position. Verweigert man Verhandlungen, könnte das wiederum den Osten zu weiteren einseitigen Aktionen veranlassen. Die Gefahr für West-Berlin wäre noch weitaus größer.

Der Regierende Bürgermeister sieht nur eine aussichtsreiche Option: Er muss direkte Verhandlungen zwischen den beiden Teilen Berlins anregen und die Vier Mächte bewegen, dazu den Auftrag zu erteilen. Deshalb sagt Brandt gegenüber dem Spiegel: „Der Berliner Senat ist bereit, einen seiner Beamten mit zuständigen Beamten der anderen Seite über die Regelung solcher praktischen Fragen sprechen zu lassen.“ Er erklärt damit zum ersten Mal seine Bereitschaft zu direkten Verhandlungen mit dem Ostteil Berlins.




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