Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Dezember 1966

Vietnam

Vietnam (Indochina) ist seit 1883 französisches Protektorat. Im Zweiten Weltkrieg besetzen japanische Truppen das Land in Südostasien. Nach der Niederlage Japans proklamiert Ho Tschi Minh, der Führer der vietnamesischen Befreiungstruppen (Vietminh), in Hanoi die Demokratische Volksrepublik Vietnam. Frankreich versucht in einem Kolonialkrieg, seine Herrschaft in Vietnam wiederzuerrichten.

1954 erleiden die französischen Truppen in Dien Bien Phu eine vernichtende Niederlage. Frankreich muss seine Kolonialpläne für Indochina endgültig aufgeben. Auf der Genfer Friedenskonferenz wird festgelegt, das Land entlang dem 17. Breitengrad in zwei Staaten zu teilen. Das kommunistische Nordvietnam wird durch Präsident Ho Tschi Minh geführt. In Südvietnam regiert eine prowestliche antikommunistische Militärjunta unter Ministerpräsident Diem. Seit 1958 versucht die kommunistische "Nationale Front zur Befreiung Südvietnams" (FLN, Vietcong) mit Unterstützung Nordvietnams, in einem Guerilla-Krieg Südvietnam zu destabilisieren, seine Regierung zu stürzen und das Land mit dem kommunistischen Norden zu vereinen. Nordvietnam und die Vietcong werden durch die Volksrepublik China und die UdSSR mit Waffen unterstützt. Die USA, die seit dem Zweiten Weltkrieg bemüht sind, weltweit den Machtbereich des Kommunismus einzudämmen, kommen Südvietnam durch Waffenlieferungen und die Entsendung von Militärberatern zu Hilfe.

Der Konflikt eskaliert, als im Juli 1964 nach Darstellung der USA amerikanische Zerstörer durch nordvietnamesische Torpedoboote angegriffen werden. Die Washingtoner Regierung nimmt den "Tonking-Zwischenfall" zum Anlass für militärische Vergeltungsmaßnahmen und startet massive Angriffe der amerikanischen Luftwaffe gegen Ziele in Nordvietnam und jene Gebiete des Südens, die von dem Vietcong beherrscht werden. Der Bombenkrieg führt auch zu großen Verlusten unter der Zivilbevölkerung. In der Folgezeit werden die Amerikaner immer tiefer in den Vietnamkrieg hineingezogen. 1965 sind 500.000 amerikanische Soldaten in Südvietnam stationiert und kämpfen Seite an Seite mit den südvietnamesischen Verbündeten.

Die Einmischung der USA in den Vietnamkrieg und insbesondere das militärische Vorgehen der amerikanischen Streitkräfte - darunter Flächenbombardements auf Nordvietnam und der Einsatz von Pestiziden zur Entlaubung des Dschungels, um die Verstecke der Vietcong zu enttarnen - rufen weltweit öffentliche Proteste hervor. Die Studentenbewegung in den westlichen Ländern führt den Protest gegen den Vietnamkrieg an. Der innenpolitische Druck auf die Regierung unter Präsident Lyndon B. Johnson verstärkt sich. Die amerikanische Öffentlichkeit ist immer stärker von der Sinnlosigkeit des Krieges überzeugt und fordert, ihn zu beenden.

Im Januar 1969 kündigt der Verteidigungsminister der neuen Regierung unter Präsident Richard Nixon den schrittweisen Rückzug der US-Truppen an. 1973 verlässt der letzte amerikanische Soldat vietnamesischen Boden.

Die südvietnamesische Armee ist bei der Verteidigung des Landes und seiner Hauptstadt Saigon wieder auf sich allein gestellt. Im Januar 1973 vereinbaren die Kriegsgegner nach fast fünfjährigen Verhandlungen einen Waffenstillstand. Gleichwohl setzt der Vietcong seinen Kampf zur "Befreiung" des Südens fort. Der Vietnamkrieg endet mit einem völligen Zusammenbruch der südvietnamesischen Armee. Im April 1975 marschieren die Truppen des Vietcong und der Nordvietnamesen in Saigon ein.

Im Juli 1976 werden Nord- und Südvietnam zur Sozialistischen Republik Vietnam vereinigt. Zum wichtigsten Verbündeten und Handelspartner Vietnams wird die UdSSR.

Der Vietnamkrieg hat nach amerikanischen Schätzungen zwischen 1961 und 1972 über 1,1 Millionen Soldaten das Leben gekostet. Die Opfer unter der Zivilbevölkerung werden auf über zwei Millionen geschätzt. Zu den Toten zählen über 60.000 amerikanische Soldaten. Die körperlichen und seelischen Wunden der Überlebenden sind vielfach bis heute nicht verheilt.



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