Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Mai 1932

Volontariat im Lübecker Hafen

Durch den Bruch mit der SPD verliert Herbert Frahm ein in Aussicht gestelltes Parteistipendium. Das geplante Studium von Germanistik und Geschichte kann er sich nun nicht mehr leisten.

Ab Mai 1932 arbeitet er als Volontär im Lübecker Hafen bei der Schiffsmaklerfirma, Reederei und Spedition F.H. Bertling KG. Für 30 Reichsmark im Monat hilft er den Kapitänen der aus Holland und Skandinavien ankommenden Schiffe bei den Zollformalitäten. Dies gibt ihm die Möglichkeit, seine nordischen Sprachkenntnisse zu erweitern. Dort kam ich in enge Beziehung zu Menschen, die mir viel bedeuten sollten: Seeleute, Fischer, Hafenarbeiter. Ich fand gute Freunde unter den skandinavischen ‚Kunden‘, Zwischen meiner politischen Tätigkeit am Abend und in der Arbeit in der Firma am Tage fand ich kaum Zeit zum Grübeln. Das war gut. Mein Leben war hart, aber ich fühlte mich stark genug, es zu meistern. Allein.“

In seiner Freizeit engagiert sich Frahm weiterhin für die SAP. „Ich hielt kleine und kleinste Versammlungen ab, trat bei zahlreichen Gelegenheiten in der Diskussion auf und befand, daß das Reden mir leichtfalle. Kein Thema, über das ich nicht frei hätte reden können: später tat ich mich damit schwerer. So war ich, ohne daß die Öffentlichkeit davon Notiz genommen hätte, zu einem Parteiführer im kleinen geworden.“

Im Anschluss an die alljährlichen Maidemonstrationen kritisiert Herbert Frahm am 3. Mai 1932 in der Sozialistischen Arbeiter-Zeitung die mangelnde politische Einheit der Arbeiterschaft. „Der 1. Mai 1932 sah noch hundertmal mehr Familien-Aufmärsche und Parteihaßdemonstrationen als einheitliche Kampfgelöbnisse des Proletariats. Hätten doch die Maifeierkomitees statt „Proletarier aller Länder, vereinigt euch“ zunächst lieber „Proletarier Deutschlands, vereinigt euch“ auf die Maifeierabzeichen geschrieben! (…) Wir meinen und wollen darum kämpfen, daß dieses Jahr waren: die letzten Maifeiern der Zerrissenheit der Arbeiterklasse.“




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