Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus
Seit dem Tod Ernst Reuters im September 1953 ist die Berliner SPD in der Opposition. Die Sozialdemokraten waren aus der 1950 gebildeten Drei-Parteien-Koalition ausgeschieden und CDU und FDP hatten unter dem neuen Regierenden Bürgermeister, Walther Schreiber, die Regierungsgeschäfte weiter geführt.
Als am 5. Dezember 1954 Neuwahlen anstehen, erreicht die SPD die absolute Mehrheit der Mandate. Ihr Spitzenkandidat, Otto Suhr, bildet mit der CDU eine Koalitionsregierung.
Auch für Willy Brandt bietet der Wahlsieg neue Perspektiven. Er wird als Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses vorgeschlagen. Sein innerparteilicher Gegenspieler, der SPD-Landesvorsitzende Franz Neumann, versucht mit dem populären Kreuzberger Bürgermeister, Willy Kressmann, als Gegenkandidaten, Brandts Wahl zu verhindern. Doch anders als auf Bundesebene genießt Willy Brandt in der Berliner SPD inzwischen großes Vertrauen: Mit 36 zu 25 Stimmen nominiert ihn die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus für die Wahl zum Parlamentspräsidenten.